Wie malt man eigentlich Anime-Augen?

Oder besser: Wie KANN man sie malen?
Es gibt ja nun viele verschiedene Ansätze und
auch manch ein Manga-Zeichner hat einen
durchaus eigenen Stil, was Augen angeht.

Dies hier ist EINE Möglichkeit unter vielen-
Ich habe mich für die Mina „3“ entschieden.
Keine wirklich typischen Augen, aber recht groß.
Und sie bieten Raum, einige grundsätzliche
Techniken zu erklären, die ich anwende.

Schritt 1: Der gesamte Kopf ist mit Hautfarbe bemalt

Schritt 2: Die erste Schicht weiß ist aufgetragen.
Noch ist die Farbe dünn und deckt nicht.

Schritt 3: Einige Schichten später ist das Auge
komplett mit Weiß ausgefüllt

Schritt 4: Wichtig ist, dass man schon früh die Blickrichtung
der Augen überlegt. Meist ergibt sie sich aus einer Bewegung
der fertigen Figur. Ich halte den Kopf in die entsprechende
Richtung und male Iris uns Pupille komplett schwarz. Und so
lange ausbessern, bis der schwarze Klecks schön rund ist.
Oder oval. Je nachdem, wie es besser gefällt. Hauptsache,
die Umrandung ist gleichmäßig.

Schritt 5: Die gleiche Prozedur mit dem anderen Auge.
Das ist etwas schwieriger, weil man Größe und Form
dem ersten Auge anpassen muss. Es empfiehlt sich,
von der Mitte aus nach außen zu arbeiten.

Schritt 6: Dann suche ich die Augenfarbe aus – und eine dazu passende Farbe zum Aufhellen.

Für dieses spezielle Auge war ein monochromes Farbschema vorgegeben. Das heißt: Die Pupille
(normalerweise schwarz) wird blau, die Iris heller. Beide Farben (das Blau und den Ton zum
Aufhellen) mische ich zusammen. Dadurch erhalte ich die Farbe für die Iris.

Schritt7: Mit dieser gemischten Farbe beginne ich. Nach
Das ergibt (mit etwas Übung) einen gleichmäßigen Rand
und man vermeidet krumme und schiefe Linien.

 

Schritt 8: Fertig. Die Farbe deckt. Es ist einfach,
auf Schwarz zu arbeiten, weil man sich von der Mitte
zum Rand vorarbeitet und am Ende die schwarze
Umrandung des Augapfels übrig bleibt. Das ergibt
(mit etwas Übung) einen sauberen, gleichmäßigen
Rand und man vermeidet krumme und schiefe Linien.

 

Schritt 9: Die blaue Pupille deute ich erst grob an.
Der Rand ist noch ungleichmäßig.

Schritt 10: Die Farbe aus Schritt 6 wird noch einmal aufgehellt.

Schritt 11: Diese aufgehellte Farbe wird nun zwischen
Pupille und der „ersten“ Farbe aufgetragen. Nur eine
ganz dünne Schicht. Das erzeugt einen weicheren
Übergang.

Schritt 12: Jetzt folgt die große Überraschung: Ich helle die Farbe noch einmal auf. Nur um einen
Hauch, man sieht es auf dem Bild vermutlich gar nicht so gut.

Schritt 13: Und auch diese Farbe wieder zwischen
Pupille und Originalfarbe auftragen. Diesen Vorgang
(aufhellen und auftragen) ein- oder zweimal (je nach
Gefallen) wiederholen. So entstehen Arbeitsgang für
Arbeitsgang konzentrische Kreise von innen nach außen,
die nach innen immer heller werden.

Schritt 14: Nun erhält die Pupille ihre endgültige
Form und Größe. Ich persönlich kann Rundungen
besser von links unten nach rechts oben ziehen.
Daher drehe ich den Kopf kontinuierlich, damit ich
in meiner „Lieblingsarbeitsrichtung“ gleichmäßige
Viertel- oder Achtelkreise ziehen kann. Wichtig ist,
dass man den Pinsel genau am Endpunkt des letzten
Kreissegmentes ansetzt.
PANNE! Ich habe mich vermalt. Die linke Pupille ist
zu groß. Da muss ich korrigieren.

Schritt 15: Es wirkt immer sehr schön, wenn man die
Pupille mit einer sehr hellen Farbe umrandet.
Dabei habe ich den Fehler ausgebessert

Schritt 16: Dann habe ich mir die Stelle für die
Lichtpunkte ausgesucht. Grundsätzlich kann man
sie an jeder Stelle platzieren.
ABER! Diese Stellen sollten sich in beiden Augen
am gleichen Ort befinden und auch gleich groß sein.

Schritt 17: Wer mag, kann die Lichtpunkte auch konturieren.
Der klassische Kann-aber-muss-nicht-Fall. Und wieder
gebaselt. Anstatt hauchdünn zu arbeiten, ist die Umrandung
rechts zu dick geraten. Vermutlich war zuviel Farbe im Pinsel

Schritt 18: Wat mutt, dat mutt. Alles wieder in
Ordnung gebracht.

Schritt 19: Darauf haben sich alle gefreut:
Der Lidstrich ist dran. Auch das kann man ganz nach
Gutdünken machen. Entweder einen Strich zur Seite
oder mehrere kleine Striche, die wie Wimpern wirken.
Man KANN auch am unteren Rand des Auges mit
Lidstrichen arbeiten. Man kann Augen auch komplett
umranden. Das erzeugt mehr Tiefe.

Schritt 20: Den Mund male ich nicht nur mit Fleischfarbe oder rosa „aus dem Topf“ an.
Ich finde es lustiger, die Farbe selbst zu mischen. Dazu benutze ich den für die Figur
benutzten Hautton und verstärke ihn mit einem Fleischton meiner Wahl.

Schritt 21: Der ausgemalte Mund.

Schritt 22: Bei den meisten Bausätzen befindet sich zwischen der Oberkante des Lids und der
Augenbraue eine Vertiefung. Kein Grand Canyon, aber vorhanden. Die meisten Modellbauer
aus Japan füllen sie mit schwarzer Farbe, um sie hervorzuheben. Ich finde, das sieht nicht aus.
Ich benutze dazu lieber einen dunklen Hautton, Das wirkt weicher und femininer. Dazu mische
ich den ursprünglichen Hautton mit einem anderen, sehr dunklen, Hautton. Hat man keinen
dunklen Hautton zur Hand, kann man auch ein helles Braun verwenden. Und da guckt mich doch
wieder jemand an – ein grünes Gesicht mit zwei Augen.

Schritt 23: Beide „Rillen“ sind fertig bemalt.

Schritt 24: Es geht an die Augenbrauen. Wenn man sie in
einem Arbeitsgang von links nach rechts (oder umgekehrt)
ziehen will, werden sie meist krumm und dick. Ich ziehe es
vor, von der Mitte aus nach links und nach rechts zu malen.
Kürzere Striche sind leichter zu ziehen. Und lassen sich im
Bedarfsfall auch leichter korrigieren.

Schritt 25: Eine Augenbraue ist fertig.

Schritt 26: Beide Augenbrauen sind fertig.

Schritt 27: Der Farbtopf ist umgefallen und wird zum Rorschach-Test. Woran erinnert diese Form?

Schritt 28: Was manch eine(r) vielleicht nicht weiß: Man kann Pastellkreidestaub auch mischen.
Hier ein starkes Rosa und ein Orange, das dem Hautton nahe kommt. So wird die Schattierung des Hauttones
weicher wirken.

Schritt 29: Ich bringe das Pulver an den Ohren
an.Mit dem Pinsel leicht auftupfen. Was man
zuviel aufgetragen hat, kann man einfach wegpusten.

Schritt 30: Auch am Hals schattiere ich.

Schritt 31:Die Wangen erhalten ein leichtes Rouge,
Ebenso die Flächen zwischen Augenbrauen und Augen.
Danach wird der Kopf mit Mattlack behandelt. Damit
ist auch das Kreidepulver fixiert.

Alles, was ich hier beschrieben habe
(Augen, Augenbrauen, Mund…)
habe ich mit diesem ollen 4/0 Pinsel
hinbekommen. Dauer der Prozedur:
Ca drei bis vier Stunden.

Schritt 32: Damit die Augen schön glänzen, trage ich
mit dem Pinsel zwei Schichten Glanzlack auf.

FERTIG!

 

 

Wohlgemerkt - niemand ist gezwungen, so zu arbeiten. Oder das vorgegebene Farbschema eines Bausatzes
zu übernehmen. In diesem Fall hat es gepasst. Wie bei allen Hobbies gilt: Seid kreativ.
Denkt immer dran: Die Arche Noah wurde von Amateuren gebaut, die Titanic von Profis.

 

               
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