Da die F.A.C.T.S. nur an zwei Tagen stattfindet und wir für eine Woche im schönen Belgien waren, hatten wir latürnich auch eine Menge Freizeit. An einem Tag beschlossen wir, mit der KUSTTRAM die belgische Küste entlangzufahren.
Die Fahrt begann am wunderschönen Bahnhof Gent St. Pieters:



Von dort aus geht es weiter nach De Panne (wo
sich übrigens auch der Freizeitpark PLOPSALAND
befindet). Hier besteigt man die Straßenbahn Richtung Knokke.
Stellenweise fühlt man sich bei dieser Straßenbahnfahrt an die
Mittelmeerküste versetzt. Denn überall in den Küstenstädten
stehen (und entstehen) gewaltige Apartmenthäuser und
Bettenburgen. Einige Beispiele:




Allerdings gab es auch gepflegte Parkanlagen und Denkmäler zu sehen. Und viele Leute haben sich richtige kleine Villen und Hexenhäuser in die Landschaft gebaut:


Und PLÖTZLICH sieht man am rechten Straßenrand so etwas:


Man hat also die Domein Raversijde erreicht. Hier befinden sich mehrere Freilicht- und andere Museen. Das größte Areal nimmt die Ausstellung "Atlantikwall" mit den beiden alten Küstenbatterien ein. Also flugs die Straßenbahn verlassen (es gibt hier eine Haltestelle) und einen Eingang gesucht...




Wir müssen wohl einen Eingang verpasst haben, denn die Strecke wurde immer länger. Andererseits konnten wir so die alten Befestigungsanlagen im Bild festhalten.


Warum Alex dieses Bild geschossen hat, wird wohl ein ewiges
Rätsel bleiben...
Aber dann betraten wir endlich den Museumsbereich. Man erhält einen Audioführer, der auf Knopfdruck alle Informationen über die jeweilige Station bereithält. Die Texte sind übrigens in allen gängigen Sprachen zu haben und von hervorragender Qualität.
Der Rundgang beginnt beim alten Leuchtturmwärterhaus. Der Leuchtturm wurde seinerzeit von deutschen Einheiten abgerissen (um dem Gegner keine Orientierungspunkte zu bieten). Hier werden einige Relikte ausgestellt, die man vor der Küste und in Hafenbecken gefunden hat. So zum Beispiel diverse Unterwasserminen, ein Torpedo und ein U-Boot-Geschütz.





Die roten Pfeile bezeichnen den von uns gebuchten Weg. Er dauert rund zwei Stunden und führt (neben den Bunker- und Grabenanlagen) durch ein herrliches Naturschutzgebiet.
Viele Insekten nutzten die letzten warmen Oktobertage, um noch einmal Sonne zu tanken und Nektar zu schlürfen. Stellenweise war da ein unglaublich intensives Summen und Brummen in der Luft...





Aber mal weiter mit den Museumsanlagen...



Diese Anlagen wurden sowohl im ersten wie auch zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen eingenommen und benutzt (Ursprünglich waren sie Teil der Maginot-Linie gewesen). Hier sehen wir eine "Funkbude" aus dem ersten Weltkrieg. Alle Gegenstände in dieser Ausstellung (und allen Folgenden ebenfalls) sind absolut authentisch. Viele der Sachen (Uniformen, Soldbücher etc) sind Spenden der damaligen Soldaten.


Bunker-Alltag. Während des Bombardements harren Offiziere und Mannschaften unter starkem Beton und Wellblech aus. Das Maschinengewehr rechts im Vordergrund ist übrigens die zum Geflügelten Wort gewordene 08/15.


Die Verständigung zwischen den einzelnen Bunkerabschnitten
erfolgte über Feldtelefone - aber Vorsicht ist geboten, denn...


Der Rundweg führt durch die verschiedenen Graben- und
Bunkeranlagen, sodaß man sich abwechselnd im Freien und in
gebäuden befindet.


Es ist Zahltag. Ein Offizier bezahlt den Sold aus, während ein
weiterer Offizier den Vorgang überwacht. Die Person rechts im
Bild ist mit dem Verkauf von Briefmarken beschäftigt. Die
meisten Soldaten begaben sich mit dem Geld sofort in die
nächstgelegene Ortschaft. Nicht, um es sinnlos zu verprassen,
sondern um Vorräte zu kaufen und diese in die Heimat zu
schicken.

Detailansicht der säuberlich aufgestellten
Ausrüstungsgegenstände
Helm, Behälter für Gasmaske, Stab-Handgranaten und Gewehr.

Blick in die Vorratskammer für Verpflegung.


Das Treibstofflager


Generalfeldmarschall Rommel hatte im Afrikafeldzug Minen
schätzen gelernt. Und so wurde auch diese Befestigungsanlage mit
allerlei teuflischen "Überraschungen" gespickt. Nach
dem Ende der Kampfhandlungen mussten diese Hinterlassenschaften
unschädlich gemacht werden. Hier sehen wir das
"Rüstzeug" der damaligen
Minenräumkommandos. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen geschah eine
furchtbare Menge an Unfällen, die viele Mannschaften und
Offiziere das Leben (oder Gliedmaßen) kostete. Die genauen
Zahlen hält die Audioführung bereit. Leider gibt es überhaupt
keine verlässlichen Unterlagen über die Anzahl der bei der
Minenräumung zu Schaden gekommenen deutschen Kriegsgefangenen
(die dazu zwangsverpflichtet wurden).
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Die verarmte und an Hunger leidende Bevölkerung war stellenweise gezwungen, sich trotz der überall noch vorhandenen Minen in die Befestigungsanlagen und an den Strand zu wagen. Denn hier konnte man noch immer Vorräte finden. Unfälle waren leider an der Tagesordnung. Wenn diese Ausstellung nicht als Argument für die endgültige Abschaffung und Ächtung von Land- und Seeminen gilt - dann ist der Menschheit wohl leider nicht zu helfen. Und das ist (ausnahmsweise mal) mein voller Ernst. Wer mehr über die Bewegung(en) erfahren möchte, Landminen zu ächten und abzuschaffen, der benutze einfach diese Google-Suche hier. |
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| Dieser Scheinwerfer hatte eine enorme Reichweite und
konnte von einer einzelnen Person bedient werden. Der Zugang ist aus dem Bunker innerhalb von Sekunden erreichbar. |


Ein Blick in die Krankenstube.
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| Die deutschen Truppen haben auf dem Gelände sogar
einen Brunnen angelegt, der auch heute noch Wasser zutage fördert. Ursprünglich war er Barbara geweiht (der Schutz- patronin der Artilleristen). Die Siegermächte müssen das wohl als recht geschmacklos empfunden haben und ließen die Schrift entfernen. |


Die Werkstatt. Alles, was im Dienstgebrauch zu Bruch ging, wurde
hier (sofern möglich) wieder instandgesetzt.


Zwei weitere Geschützstellungen. In der Nähe aller sich in
Bunkern befindlichen Geschützen öffnen sich Röhrensysteme, die
die Dämpfe und Gase nach außen absaugen.


Eine kleine "Sonderschau" über die stellenweise genial
erdachten Panzer- und Bootssperren, mit denen die Strände
Belgiens und derNormandie übersät waren.
Über einen "Druck aufs Knöpfchen" kann man dem
Audioführer die Informationen über die einzelnen Konstruktionen
entlocken. Besonders tückisch: Die Geräte, aus denen schräge
Balken (oder Träger) herausragen (5). Diese dienten als
Auslöser für in den Blöcken befestigte Minen. Auf anderen
Balken waren ebenfalls Minen befestigt (1).


Zwei weitere Geschützstellungen, die einen von der See
erwarteten in seine Schranken verweisen sollten.
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| Ein Munitionsbunker. Nicht alle Munition für die
Geschütze wurde so "komplett" aufbewahrt. Aus
Furcht vor Explosionen wurden viele Geschosse in einzelkomponenten zerlegt und erst beim Geschütz zusammen- gefügt. |
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| Wir kommen zu einem Ausstellungsstück, auf das das
Museum besonders stolz ist - eine ENIGMA- Kodiermaschine. Es handelt sich hier um einen etwas älteren Typ, der nur über drei Kodierräder verfügt. Später waren es dann bis zu fünf. |


Hier nun eines der Herzstücke des Bunkerkomplexes - die Funkbude
aus dem zweiten Weltkrieg und die Gesprächsvermittlungsanlage.
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| In diesem sehr sensiblen Bereich der Bauten finden
sich auch viele Plakate, die zur Vorsicht gemahnen. Denn wer hier seinen Dienst versah, wurde automatisch zum Geheimnisträger. |
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Der Generatorraum. Hier wurde die benötigte Energie erzeugt. |
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| Ein typisch Rommelscher Bluff:: Nach der Landung in der Normandie erwartete man den Feind auch von landeinwärts. Bauten wie dieser, die zwar stark befestigt WIRKTEN, es aber nicht waren - und veraltete Geschütze sollten dem Gegner eine Wehrhaftigkeit vorgaukeln, die gar nicht gegeben war. |
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| Zum Kriegsende hin nahm auch die Anzahl an
provisorischen und improvisierten Geschützstellungen zu. Erkennbar am Mauerwerk. |


Alltag in der Stube.



In der Amtsstube herrscht Aufregung - Hoher Besuch hat sich
angekündigt. Generalfeldmarschall Rommel höchstpersönlich.
Das ist kein Witz - er war tatsächlich hier und hat die Anlage
begutachtet.


Ein Blick noch auf zwei FlaK (Im Netz der rechten Kanone wurden
die abgeschossenen Kartuschen gefangen) - und dann ist der
Rundgang beendet. Einiges
(wie zum Beispiel das Fischerhaus) haben wir leider nicht
photographiert. Man läuft doch einige Kilometer und irgendwann
erlahmt neben den Beinen auch die Aufnahmefähigkeit. Und dann
ist man froh, wieder in der Straßenbahn zu sitzen.
Zwei kurze Eindrücke noch aus Ostende:

Eine dieser abgefahrenen Bettenburgen hinter einer
altehrwürdigen Häuserfassade.

Der Bahnhof - ganz idyllisch direkt beim Yachthafen gelegen.
Und schon begann es, dunkel zu werden. Also bestiegen wir wieder die Straßenbahn und fuhren weiter nach Knokke - und von dort aus zurück nach Gent. Eine Tagestour, die sich sehr gelohnt hat.