| Ein würdiger Abschluss des
Kulturprogramms zur Kieler Woche 2007 Das umjubelte Konzert von Achim Reichel auf der Hörnbühne.: |
![]() ![]() |
| Herr Reichel (der Mann soll 63
Lenze zählen? Unglaublich) betritt leicht verspätet die
Bühne - er hockt sich hin und grinst ein breites
hamburgerisches "Watt is?" ins Publikum. Ach
ja, ER soll ja hier Musik machen, besinnt er sich. Und dann geht's los. |



![]() |
Und schon verschleißt er eine A-Saite. Die erste von einigen, die noch folgen sollen. |

| Mit großer Hingabe
modernisiert er Heinrich Heines Belsazar - und mausert
sich auf der Bühne zum zornigen alttestametarischen Propheten. |


Nicht fehlen darf auch Trutz Blanke Hans, das nahtlos in Das Abendlied von Claudius hineinschmilzt (worin der Mond dann wieder der protzigen Rungholter Wahn belächelt)



Wenn Herbert Grönemeyer
für Erkenntnisse über den Zustand der zeitgenössischen
Popmusik 3 Alben, zwei Tourneen und 5 TV-Interviews benötigt,
dann kriegt Achim Reichel das schneller und besser auf den Punkt:
"Ich hab' mir die derzeitige Popmusik angeguckt und fand,
das ist Globalismus-Kultur. Da hatte ich dann kein' Bock mehr
drauf". Zack. Und singt dann Lieder wie Die Gedanken Sind
Frei.
Manche Inhalte kann man eben nicht
verbessern.


"Wenn es im Mittelalter Punkbands gegeben hätte - die hätten alle die Drehleier benutzt. Schräger geht's nämlich nicht"


| Der Spieler sei ein Werk eines
Gegenwartsdichters, der in der Gegenwart leider nicht
mehr vorkomme. Weil er im besoffenen Kopp unbedingt auf
der Autobahn bei München spazierengehen musste. Achim Reichel vermisst diesen Jörg Fauser sehr. |


| Ja, gut - Ihr singt weiter den Refrain und mogeln uns langsam wieder mit 'rein. |



| "Neulich habe ich einen
alten Einkaufszettel gefunden (das Publikum johlt) - und
dann hab ich mich umgedreht und hinter mir standen 'n paar tausend Leute, die wussten schon, was draufsteht." Steaks, Bier und Zigaretten nämlich. |



| Ja, Nis Randers - mit dem Song bin ich Boot-Schafter (au ha) bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger geworden. da musste ich Krawatte und so tragen (au ha). |



| Weiß der Teufel, wie er das
macht. Wenn Achim Reichel altes Liedgut covert, bleibt es
authentisch und behält seinen Biss. Kein Vergleich mit Klamauk-Bands, die auch beste Songs kaputtcovern und es meist gar nicht bemerken. |


| Und manche Lieder entstehen ja irgendwie bei der Realitätsflucht nachts im Strandkorb - so wie Fliegende Pferde beispielsweise |


| Und Kuddel könnte die gaaanze Welt umarm'... |



| "Mit den Zugaben ist das
ja immer so 'ne Sache. Wir gehen von der Bühne, Ihr
fangt an zu ackern "Zu-Ga-Be, Zu-Ga-Be", wir
stehen hinter der Bühne und amüsier'n uns: Guck mal, wie se ackern. Dann komm' wir wieder raus, spielen eins, gehen von der Bühne, Ihr fangt an zu ackern, wir stehen hinter der Bühne und amüsier'n uns... Also spieln'n wir lieber 'n büschen am Stück, nä? Aber irgendwann ist Schluß." |



| Hauptgewinn mit 5 Buchstaben? Ganz klar: B-I-N-G-O! |

| Eh, was kommt denn da angeflogen? Das hätte er nicht fragen dürfen, denn für einige Sekunden stiehlt ihm der Mini-Zeppelin die Schau. |


| Beinahe 2 Stunden gespielt,
gesungen, erzählt und das Publikum überhaupt bestens
unterhalten. Ob man noch Wünsche habe, fragt er ins
Publikum. Diskussion. Rufe. Von vorn ein beherztes: "PIDDER LÜNG!" Jau das geht. Aber das hat 10 Strophen (oder so)- danach sei wirklich Feierabend, denn das gehe auch sehr auf die Stimmbänder, sagt er kokett. |

| Und Pidder Lüng wird mit allerhöchster Bravour absolviert. |


| Es ist geschafft. Alle haben
sich verausgabt, das Publikum hat hingebungsvoll Aloha-He
gesungen, die Band hat mit einer Vielzahl von Instrumenten brilliert (besonders Andy Warhol an Geige und Trommel sowie Georg Uecker an der Drehleier). Nee, ernsthaft: Barry Sarluis an den Tasteninstrumenten, Pete Sage an Geige und Handtrommel und Frank Wulff bestach an Drehleier und Flöte. Mehr Namen bekomme ich leider nicht mehr zusammen. Ein toller Konzertabend zwischen Klabauterrock, Lausejungenhumor, Volksmusik, Shanty und Schlager. |